PEG-Magensonde und oral essen

Immer wieder, wenn ich mit anderen zum Thema PEG-Magensonde ins Gespräch komme, begegne ich zwei Aussagen. Entweder „Ich brauche ja keine Magensonde, ich kann ja noch richtig essen“ oder „Ich will keine Magensonde, ich esse viel zu gerne“. Beide Aussagen kann ich absolut nachvollziehen. Ich war schließlich auch mal an diesem Punkt und hatte Angst (dazu im nächsten Beitrag mehr) vor einer Magensonde. Wenn man das ganze jedoch rational betrachtet, ändert sich das Bild schnell.

„Ich kann noch essen“

Wer auch immer einem vorschlägt, dass eine Magensonde eine sinnvolle Therapiemaßnahme sein kann, wird Gründe für diesen Vorschlag haben. Sich dann mit „Ich kann ja noch richtig essen“ herauszureden, ist oftmals tatsächlich nur das: eine Ausrede. Auch ich konnte damals noch „richtig“ essen. Aber es hat immer ewig gedauert. Und, auch wenn ich mir das nicht eingestehen wollte, ich habe mich immer öfter verschluckt. Dass das keinen Spaß gemacht hat, brauche ich wohl niemandem erzählen. In einer solchen Situation kann eine Magensonde also eine große Erleichterung sein. Außerdem können so lebensbedrohliche Risiken durch Verschlucken und die Folgen davon minimiert werden.

Genuss und Nahrungsaufnahme

„Ich esse viel zu gerne“ halte ich tatsächlich für eine Lüge. Dem eigenen Umfeld, vor allem aber sich selbst gegenüber. Wenn nämlich die Versorgung mit einer Magensonde indiziert ist, dann macht essen keinen großen Spaß mehr. Damit will ich keineswegs abstreiten, dass es man keinen Spaß und Genuss mehr am Geschmack und vielleicht sogar den unterschiedlichen Texturen von Essen hat. Auch das Drumherum, wie die Zubereitung oder die gemeinsame Mahlzeit mit Familie oder Freunden können sehr viel Spaß machen. Da stimme ich absolut zu! Der Genuss und das Essen, die Nahrungsaufnahme an sich sind allerdings ganz unterschiedliche Dinge.

Die gute Nachricht

Nach diesen harten Wahrheiten nun aber eine gute Nachricht: Nur weil man eine Magensonde hat, bedeutet das nicht automatisch, dass man nicht mehr oral (also durch den Mund) essen kann. Der Mund wird einem nach dem Eingriff ja nicht zugenäht. Aber dank einer Magensonde muss man eben nicht mehr unbedingt oral essen (oder auch trinken). Man macht es nur noch dann, wenn man sich dazu imstande fühlt und Lust darauf hat. Die Versorgung mit Kalorien, Nährstoffen und Flüssigkeit ist schließlich über die Sonde gesichert. Oralkost muss somit nur noch einen einzigen Zweck erfüllen: Genuss bringen.

Selbstverständlich ist es immer vom jeweiligen Krankheitsbild abhängig, was im Einzelfall noch möglich ist. In diesem Zusammenhang kann ich aus eigener Erfahrung nur die Zusammenarbeit mit einer guten Logopädin bzw. einem guten Logopäden empfehlen. Dazu an anderer Stelle mehr. Es sei aber schon mal verraten: Es ist oftmals viel mehr möglich, als man sich das vorstellen mag, wenn man sich mit dem Thema bisher noch nicht beschäftigen musste.

Aber man muss es nicht

All die anderen Dinge, die am Essen vielleicht Spaß machen (Rezepte raussuchen, einkaufen, kochen etc.) kann man auch mit einer Magensonde immer noch machen. Mit Familie und Freunden am Tisch sitzen ebenfalls. Ob man dabei nun gar nichts, bloß ein kleines Glas des Lieblingsgetränks, einen Teller Suppe, ein einziges Fischstäbchen oder nur ein kleines Schälchen mit speziell zubereiteter Oralkost vor sich hat, ist dabei vollkommen unerheblich. Glaubt mir! Nach jahrelanger Wiederholung derartiger Rituale, ist das bloß eine Vorstellung in unserem Kopf. In den letzten rund 20 Jahren habe ich das alles schon durch und werde gerne in anderen Beiträgen genauer davon berichten. Denn nur weil man eine PEG-Magensonde hat, heißt es eben noch lange nicht, dass man nicht mehr oral essen kann. Aber man muss es eben nicht mehr 😉

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