Fliegen mit PEG

Tragfläche am abendlichen Himmel über dem Meer (Logo „Leben mit PEG“ in der linken oberen Bildecke).

Gerade in der Urlaubszeit ist Fliegen mit Magensonde ein Thema. Aktuell geht (zumindest gefühlt) der Trend ja ein wenig weg von der Fliegerei. Nichtsdestotrotz ist es erstaunlich, was aus technischer Sicht bei dieser Art zu reisen möglich gemacht wird. Insofern bleibt zu hoffen, dass das versammelte Ingenieurswissen der Menschheit bald in der Lage sein wird, diese spannende Transportart umweltverträglich zu machen. Nicht nur, wenn Flugreisen durch uns an anderer Stelle ökologisch kompensiert werden. Denn im Gegensatz zu der Reise mit anderen Hilfsmitteln (aus eigener Erfahrung kenne ich beispielsweise auch das ganze Theater um Flugreisen mit dem Rollstuhl) ist Fliegen mit PEG ein Kinderspiel.

Das Procedere

Das Procedere ist jedoch bei Flugreisen mit Magensonde dasselbe, wie bei anderen Hilfsmitteln (z.B. Rollstühlen) auch. Genau genommen bezieht sich das natürlich auf das Zubehör und nicht die Sonde selbst. Diese haben wir ja im Körper. Somit unterliegt sie keinerlei Regularien. Nur mit einer PEG könnt ihr also einfach so in ein Flugzeug steigen. Anders ist das, wenn ihr noch Zubehör mit in die Kabine nehmen wollt. Genauer, wenn es sich dabei um eine Pumpe oder Sondennahrung oder bereits mit Wasser befüllte Flüssigkeitscontainer oder Spritzen handelt, wenn deren Fassungsvermögen 100 ml übersteigt. Unabhängig davon, wie viel Flüssigkeit tatsächlich enthalten ist.

Vorheriger Anmeldung

In diesen Fällen müsst ihr der Fluggesellschaft im Vorfeld die Mitnahme von medizinischem Zubehör anzeigen. Das muss bis spätestens 48 Stunden vor Abreise passiert sein. In den Buchungsportalen der Fluggesellschaften gibt es hierfür in aller Regel eine eigene Funktion. Wenn ihr eure Reise über ein Reisebüro buchen solltet, müssen die Damen und Herren dort diese Anmeldung vorab vornehmen. Neben dem Mitführen von medizinischem Material gibt es außerdem die Möglichkeit, medizinisches Sondergepäck anzumelden. Das können also beispielsweise Kartons mit der Urlaubsration an Sondennahrung oder das ganze Zubehör, was ihr nicht für die ersten Tage sicherheitshalber bei euch habt (wie in meinem Beitrag zum Reisen mit PEG empfohlen), sein. Dieses medizinische Sondergepäck wird dann zusätzlich zu eurem Freigepäck, welches ja immer von eurem Ticket abhängt, kostenfrei im Frachtraum der Maschine befördert. Es versteht sich, dass in diesem Gepäck dann auch wirklich nur medizinisch notwendiges Material enthalten sein darf und nicht beispielsweise noch extra Kleidung. Bei der Anzeige des Sondergepäcks müssen Maße und Gewicht angegeben werden. Pumpen mit Lithiumionen-Akku dürfen nicht im Frachtraum transportiert werden, sondern müssen ins Handgepäck.

Ärztliches Attest

Um die reibungslose Mitnahme von Sondennahrung, Zubehör und Technik in die Kabine zu gewährleisten, empfiehlt es sich außerdem, ein ärztliches Attest dabei zu haben. Mindestens auf Deutsch und Englisch. Ein Fleißbienchen gibt es, wenn das Attest auch noch in der Landessprache des jeweiligen Reiselandes verfasst ist. In diesem Attest muss nur kurz die Notwendigkeit der Mitnahme von Nahrung und Zubehör zur enteralen Ernährung bestätigt sein. Dann sind auch die sonst für Handgepäck üblichen Begrenzungen für Flüssigkeitsmengen aus Sicherheitsgründen nicht mehr bindend.

Sicherheitsmaßnahmen

Das entbindet selbstverständlich nicht komplett von Sicherheitsmaßnahmen. Von daher werden in aller Regel auch Sondennahrung und Pumpe wie übriges Handgepäck geröntgt. Zusätzlich wird noch ein Sprengstofftest gemacht. Dabei werden die Sachen mit einem speziellen Tuch abgewischt. Dieses wird dann von einem hochkomplexen und verdammt teuren Gerät hinter den Kulissen analysiert, damit nichts Gefährliches unter dem Vorwand der medizinischen Notwendigkeit ins Flugzeug mitgenommen wird.

Besonders wichtig

Wie alles Gepäck in der Flugzeugkabine muss auch das Zubehör sicher verstaut ein. Sicherung ist ebenfalls ganz besonders wichtig, wenn während des Fluges sondiert wird. Es kann immer zu plötzlichen (und teilweise echt heftigen) Bewegungen kommen. Ihr solltet also beispielsweise den Rucksack mit Pumpe noch mal extra vor dem Herunterfallen sichern. Gebt außerdem genügend Schlauch, damit nicht bei ruckartigen Bewegungen versehentlich an der Sonde gezogen wird. Was die anderen Fluggäste betrifft, müsst ihr euch keine Gedanken machen. Meist sind die zu sehr mit ihren eigenen Dingen beschäftigt, um überhaupt mitzubekommen, dass sondiert wird. Falls euch doch jemand komisch anschauen sollte, dann mit Sicherheit nur, weil sie neidisch sind. Denn wenn ihr nicht gerade First Class fliegt, ist eure Sondennahrung mit Sicherheit besser als das Essen im Flugzeug 😉

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