Meine erste PEG-Magensonde: ein Erfahrungsbericht

Wie eine PEG-Sonde angelegt wird, habe ich bereits in diesem Beitrag hier beschrieben. Das ist allerdings tatsächlich auch nur die objektive Beschreibung des Procederes. Heute möchte ich meine persönlichen Eindrücke von der ersten PEG-Anlage mit euch teilen. Dabei werde ich mich auf den Tag des Eingriffs selbst fokussieren. Denn die Vorgespräche und Vorbereitungen sind definitiv zu einem späteren Zeitpunkt einen eigenen Beitrag wert. Waren sie doch auch ein sehr schönes Beispiel, was Ärztinnen und Ärzte im Umgang mit Betroffenen alles falsch machen können. Oder eben auch richtig. Die Gründe, warum ich überhaupt eine PEG bekommen habe, habe ich bereits an anderer Stelle ausführlicher erläutert.

Der Tag beginnt früh

Der Tag der Anlage einer perkutanen Magensonde beginnt früh. Da man für die Anlage nüchtern sein muss, kann man damit natürlich nicht bis zum Nachmittag warten. PEGs sind daher häufig morgens die ersten Eingriffe, die in einer endoskopischen Abteilung geplant sind. Hat, so sehe ich das zumindest, auch den Vorteil, dass das medizinische Personal noch ziemlich frisch und ausgeschlafen ist. Nachdem man dann also ohne Frühstück in der Endoskopie ankommt, muss man meistens noch warten. Das ist im Krankenhausbetrieb ja eigentlich Standard. So war es damals auch bei mir. Nachdem ich per Liegendtransport aus der Rehaklinik in das örtliche Krankenhaus verlegt wurde, weil es in der Klinik natürlich keine entsprechende Abteilung gab, lag ich also einige Zeit im Flur. Ganz allein. Mit meinen Gedanken und auch mit meinen Ängsten. Schließlich wusste ich ja gar nicht wirklich, was da auf mich zukommen würde. Ab und an schaute mal eine Krankenschwester vorbei und versicherte mir, dass es bald losgehen würde.

Ein schneller Routineeingriff

Als es dann endlich so weit war, ging alles ziemlich schnell. Ist eben für das Krankenhauspersonal ein absoluter Routineeingriff. Da wissen alle, was sie zu tun haben. Das haben sie schließlich schon zigmal gemacht. Für Fragen ist in diesem Augenblick keine Zeit mehr. Die Patientin oder der Patient für den nächsten Eingriff liegt wahrscheinlich auch schon draußen im Flur. Es ist also wichtig, sich vorher ausführlich selbst zu informieren (z.B. auch auf diesem Blog 😉) oder informieren zu lassen. Ich konnte damals lediglich noch die Ärzte, die sich natürlich noch nicht einmal vorstellen bevor sie dir Nadeln und Schläuche in deinem Körper schieben, dazu bringen, mir zu versprechen, meinen Puls und die Atmung im Auge zu behalten. Aufgrund meines Krankheitsbildes ist eine Narkose nämlich immer heikel. Das war damals meine größte Sorge. Dann hatte ich auch schon einen intravenösen Zugang gelegt bekommen, bekam den Beißschutz in den Mund und wurde ins Land der Träume geschickt.

Mit Abstand das beste

Wobei das eigentlich der falsche Euphemismus ist. Träumen tut man nämlich bei dieser Sedierung nicht. Egal ob Propofol oder Midazolam benutzt wird. Ich persönlich bevorzuge inzwischen bei solchen Eingriffen das Letztere. Denn dafür gibt es ein Gegenmittel (Flumazenil). Die Narkose kann also jederzeit schnell wieder gestoppt werden. Bei Propofol muss man hingegen warten, bis die Wirkung nachlässt. Allerdings ist dieser Moment, wenn die Sedierung anfängt zu wirken, das beste an der ganzen Prozedur. Mit Abstand. Einfach ein krasses Gefühl. Macht zwar die Schmerzen hinterher nicht wieder wett, aber man bekommt wenigstens für zwei, drei Sekunden etwas für seine Krankenkassenbeiträge. Bei meinem letzten Wechsel der Magensonde wurde mir dieser Moment allerdings versaut. Da war ich hinterher richtig sauer. Ich hatte extra noch an etwas Schönes denken wollen. Das ist aber auch eine andere Geschichte.

Wie ein Vampir

Nachdem man gefühlt noch vor ein paar Sekunden weggeflogen ist, kommt man dann auch schon wieder zu sich. In Wirklichkeit ist natürlich inzwischen einige Zeit vergangen und der Eingriff beendet. Deutliches Anzeichen dafür sind die Schmerzen. Denn wenn der Körper auf einmal ein Loch mit einem Fremdkörper drin hat, das so naturgemäß nicht vorgesehen ist, tut das ziemlich weh. Bei mir kam seinerzeit noch hinzu, dass dieses Loch offensichtlich an einer ganz anderen Stelle war, als ich erwartet hatte. Mangelnde Aufklärung im Vorfeld. Nachdem man mir aber mehrfach versichert hatte, dass das Behandlungsteam alles richtig gemacht hatte, ergab ich mich meinem Schicksal. Ich döste noch ein bisschen vor mich hin und versuchte zu akzeptieren, dass ich mich in den nächsten Tagen wohl wie ein Vampir fühlen würde, dem man den Holzpflock nicht ins Herz, sondern ein paar Zentimeter zu tief, einfach nur in den Oberkörper, gerammt hätte. Nicht schön, aber wohl auch nicht mehr zu ändern … Dann ging es, wieder per Krankentransport, zurück in die Rehaeinrichtung. Inklusive der Fahrten und Wartezeiten war die ganze Angelegenheit nach etwa 3 Stunden erledigt. Von da an begann mein Leben mit PEG. Von den ersten Tagen nach einer PEG-Anlage handelt übrigens dieser Beitrag.

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