Nahrungsgabe über die PEG via Schwerkraft

Vor lila Hintergrund hängt eine Flasche Sondennahrung mit Schwerkraftüberleiter an einem Infusionsständer. In der rechten unteren Bildecke das Logo von „Leben mit PEG“.

Wie im letzten Beitrag schon erwähnt, gibt es insgesamt drei verschiedene Möglichkeiten, um Nahrung oder Flüssigkeit über die PEG (oder natürlich auch andere Magensonden) zu verabreichen. Die „technische Lösung“, mit einer Ernährungspumpe, habe ich in diesem Beitrag hier ausführlich beschrieben. Heute geht es um eine Methode, bei der sich nicht die Technik, sondern die Naturgesetze zu Nutze gemacht werden: Die Applikation via Schwerkraft.

Nur mittels Schwerkraft

Alles, was für diese Methode gebraucht wird, sind die Nahrung (oder auch die Flüssigkeit, also z.B. Wasser oder Tee), ein entsprechendes Schwerkraft-Überleiter-System und ein Höhenunterschied. Denn dann fließt die Flüssigkeit (in unserem Falle die Nahrung) vom höheren Gefäß ins niedriggelegenere Gefäß. Wobei Gefäß in unserem Fall wohl die falsche Bezeichnung ist. Idealerweise ist das nämlich unser Magen. Tatsächlich auch wichtig, dass dieser sich unterhalb befindet. Denn theoretisch funktioniert diese Methode auch andersherum, da Magensonden grundsätzlich in beide Richtungen durchgängig sind.

Einfache Physik

Die Größe des Höhenunterschiedes entscheidet darüber, wie schnell der Magen gefüllt wird. Je höher die Nahrung bzw. Flüssigkeit aufgehängt wird, desto schneller die Fließgeschwindigkeit. Weitere Faktoren, die die Geschwindigkeit beeinflussen, sind die Dicke der verabreichten Flüssigkeit (Nahrung läuft langsamer als pures Wasser), Materialbeschaffenheit des Gefäßes und der Füllstand. Die letzten beiden Faktoren beeinflussen nämlich den Druck. Im Prinzip eben alles einfache Physik. Allerdings auch nicht einfach genug, um mal eben so nebenbei präzise Aussagen über die Durchflussrate treffen zu können. Das müsste tatsächlich berechnet werden. Deshalb empfiehlt sich diese Methode, wenn es nicht ganz genau auf die Menge ankommt. Denn auch die Skalen auf den Flaschen und Beuteln der Sondennahrung sind nicht 100-prozentig präzise. Alternativ ist die zu verabreichende Menge vorher abgemessen. Im einfachsten Fall soll eben der gesamte Inhalt zu sich genommen werden.

In unter 1 Minute

Ich persönlich nutze diese Methode der Applikation mehrfach täglich, nämlich zur Flüssigkeitszufuhr. Da kommt es mir nicht auf ein paar Milliliter an. Außerdem möchte ich nicht ewig am Schlauch hängen. Oralverkoster nuckeln ja auch nicht eine Viertelstunde lang an ihrem Getränk, wenn sie Durst haben. Via Schwerkraft ziehe ich mir so in unter 1 Minute zwischen 150 ml und 200 ml Wasser rein. Also etwa ein Glas voll. Mehr oder weniger regelmäßig auf den Tag verteilt, komme ich da ganz einfach auf meinen täglichen Flüssigkeitsbedarf.

Notfalls eine Stehlampe

Zuhause benutzen wir dabei immer einen klassischen Infusionsständer. Unterwegs eignen sich für diese Art der Applikation aber meiner Erfahrung nach Garderobenhaken ebenfalls ganz hervorragend. Im schlimmsten Fall kann die Assistenzkraft auch mal kurz den Wassercontainer hochhalten. Bei der langsam laufenderen Nahrung empfiehlt es sich dann aber doch, irgendeinen Gegenstand zu benutzen. Notfalls auch eine Stehlampe, die mittels mitgeführtem Karabinerhaken zum Infusionsständer umfunktioniert wird.

Nachteile

Auch wenn es schnell geht, ist die Tatsache, während der Applikation – im wahrsten Sinne des Wortes – irgendwo angebunden zu sein, einer der Nachteile bei dieser Methode. Zusammen mit der nur begrenzten Beeinflussbarkeit der Durchflussrate. Denn abgesehen vom Höhenunterschied, kann diese nur mithilfe des Grades der Öffnung der Rollenklemme vom Schwerkraftsystem reguliert werden. Auch ist es natürlich eine ziemlich auffällige Methode. Also nur bedingt in der Öffentlichkeit geeignet. Denn wenn irgendwo neben oder hinter mir ein Beutel bzw. eine Flasche hängt, von wo aus ein Schlauch unter mein Oberteil führt, sind in aller Regel verunsicherte Blicke oder gut gemeinte, interessierte Fragen vorprogrammiert. In meiner rebellischen Phase war mir das egal. Mittlerweile ist mir das aber zu nervig und ich suche mir ggf. kurz ein ruhiges Eckchen.

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