Suizid aufgrund von PEG

teilweise leere Tabletten-Blister auf lila Hintergrund mit Logo "Leben mit PEG

(Triggerwarnung: Im heutigen Blogbeitrag geht es um Selbstmord. Lest den Beitrag bitte nur, wenn ihr euch dazu in der Lage f├╝hlt. Solltet ihr oder jemand, den ihr kennt, selbstmordgef├Ąhrdet sein, k├Ânnt ihr rund um die Uhr kostenfrei unter der Telefonnummer 116 123 mit jemandem sprechen und Hilfe bekommen.)

Zugegeben, das heutige Thema ist alles andere als sch├Ân. Ich habe wirklich lange dar├╝ber nachgedacht, ob ich hier dar├╝ber schreiben soll. Letztendlich habe ich mich daf├╝r entschieden. Denn mein Anspruch in diesem Blog ist es, das Leben mit PEG authentisch und mit all seinen Facetten zu behandeln. Dazu geh├Âren manchmal eben leider auch weniger sch├Âne Themen.

Enorme St├Ąrke

Grunds├Ątzlich bin ich ein Mensch, der das Leben positiv sieht und es genie├čt. Auch wenn die Umst├Ąnde manchmal alles andere als einfach sind. Seit meiner Jugend lautet mein Motto: ÔÇ×Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg – notfalls wird eben ein neuer angelegt!ÔÇť Doch auch ich gerate manchmal an meine mentalen Grenzen. (An meine k├Ârperlichen nat├╝rlich auch. Nahezu t├Ąglich. Aber das ist ein anderes Thema.) Und das ist vollkommen in Ordnung. Denn, so sch├Ân das Leben auch ist, es ist eben nicht immer einfach. Sich das einzugestehen und eventuell um Hilfe zu bitten, hat nichts mit Schw├Ąche zu tun, sondern zeugt, im Gegenteil, von enormer St├Ąrke. Wenn es euch also einmal so gehen sollte, dass ihr denkt, es ist alles zu viel, holt euch bitte Unterst├╝tzung! Sprecht mit Freunden oder Familie oder gegebenenfalls auch fremden Menschen. Aber sprecht mit jemandem. Denn eine andere Perspektive auf eine Situation hilft uns, die Sachen klarer zu sehen.

├ťberfordert mit PEG

Im Zusammenhang mit meiner PEG bin auch ich schon ├╝berfordert gewesen. Ziemlich zu Anfang. Interessanterweise nicht, als mir der absolut unf├Ąhige Arzt seinerzeit vorschlug, eine Magensonde zu legen (die ganze Geschichte k├Ânnt ihr hier nachlesen). Sondern erst sp├Ąter in der Rehaklinik (mehr dazu an dieser Stelle), als ich selber realisierte, dass ich wirklich nicht um eine PEG drumherum kommen w├╝rde. Ich wei├č noch ganz genau, welche Gedanken ich damals hatte: ÔÇ×Jetzt musst du k├╝nstlich ern├Ąhrt werden. Als n├Ąchstes k├╝nstlich beatmet. Und dann ist dein Leben eh bald vorbei ÔÇŽÔÇť
So nachvollziehbar diese Gedanken auch sind, genauso unsinnig sind sie tats├Ąchlich auch. Ich lebe heute seit ├╝ber 20 Jahren mit einer Magensonde. Seit letztem Jahr auch mit einer nicht-invasiven Beatmung (also genau genommen nur eine Atemunterst├╝tzung) in der Nacht. Und mein Leben war noch nie besser.

Angst vor dem Unbekannten

Aber das wusste ich damals noch nicht. Ich hatte einfach wahnsinnige Angst vor dem Unbekannten. In einer solchen Situation tendieren wir Menschen dann leider oftmals dazu, uns dieses Unbekannte in den schlimmsten Farben auszumalen. Und so stand ich damals wortw├Ârtlich an einem Abgrund. Ich hatte die Klinik verlassen, um ein wenig spazieren zu fahren, den Kopf frei zu bekommen. Die Stations├Ąrztin hatte mich eigentlich nicht gehen lassen wollen. Denn sie hatte Angst, dass ich mir etwas antun w├╝rde, nachdem ich gerade diese vermeintliche Hiobsbotschaft erhalten hatte. Offensichtlich war diese Sorge nicht unbegr├╝ndet gewesen. Aber ich war schon immer ziemlich ├╝berzeugend. Sie hatte mich also raus gelassen. So stand ich nun also mit meinen Rollstuhl an einem erh├Âhten Weg, an dessen Rand eine Wiese steil mindestens 20 m bergab f├╝hrte. W├Ąre ich mit meinem schweren Rollstuhl ├╝ber die Kante gefahren, w├Ąre das garantiert b├Âse ausgegangen.

Aber was, wenn es gut wird?

Gerne w├╝rde ich an dieser Stelle schreiben, dass ich mich nach einiger Zeit besann und beschloss, positiv in die Zukunft zu blicken und mit der Einstellung ÔÇ×Aber was, wenn es gut wird?ÔÇť in die Klinik zur├╝ckzukehren. Doch die Wahrheit ist, dass ich einfach noch mehr Angst davor hatte, dass es unglaublich wehtun w├╝rde, wenn ich diesen Abhang herunter f├╝hre. Also sa├č ich stattdessen einfach so lange heulend da, bis mich der Zivi der Station fand, der mir hinterher geschickt worden war. Denn auch wenn sie mich f├Ąlschlicherweise hatte gehen lassen, so hatte meine Stations├Ąrztin doch richtig erkannt, dass ich jemanden zum reden brauchte. Allerdings nicht den Zivi, sondern die Psychologin der Klinik, zu der er mich bringen sollte.

unendlich dankbar

Heute bin ich meinem jungendlichen Ich unendlich dankbar, sich damals dagegen entschieden zu haben, diesen Abhang herunter zu fahren. Denn ich h├Ątte so viele wahnsinnig sch├Âne Erlebnisse verpasst. Keinem dieser Erlebnisse stand meine PEG irgendwie im Wege. Im Gegenteil. Sie erm├Âglichte erst, dass ich so lange am Leben war, all dies erleben zu k├Ânnen.
Nat├╝rlich kann uns die Diagnose, fortan mit einer Magensonde leben zu m├╝ssen, Angst machen. Denn f├╝r viele von uns, ist dies eine unbekannte Thematik. Und Unbekanntes kann Angst machen. Sehr viel Angst. Deshalb ist es wichtig, mehr ├╝ber dieses unbekannte Thema zu lernen und sich mit Menschen auszutauschen, die sich damit auskennen. Mehr ├╝ber das Leben mit einer Magensonde lernen k├Ânnt ihr (hoffentlich) in diesem Blog. Austauschen k├Ânnt ihr euch ebenfalls. Und zwar mit mir. Hierf├╝r gibt es mein neues Angebot des 1:1-Austausch.
Ich hoffe, mein heutiger, sehr pers├Ânlicher Beitrag, hat euch geholfen, euch mit euren Sorgen nicht alleine zu f├╝hlen und dem Leben mit PEG positiv entgegentreten zu k├Ânnen.

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