Essen mit der PEG – meine Suppenphase

Im Vordergrund eine Schale Tomatensuppe. Im Hintergrund ein Kochtopf mit Tomatensuppe und Suppenkelle. Lila umrandet, rechts das weiße Logo von „Leben mit PEG“.

Wie ich euch in einem der letzten BeitrĂ€ge beschrieben habe, gab es eine Zeit in meinem Leben mit PEG, in der ich bewusst komplett darauf verzichtet habe, oral etwas zu essen. Seinerzeit ergab es sich jedoch an einem FrĂŒhsommertag, dass der Nachmittag etwas anders ablief als es ursprĂŒnglich geplant gewesen war. Alles dauerte viel lĂ€nger und endete zum Abendessen mit Freunden in einem Restaurant.

RĂŒckkehr in die Welt der Oralverkoster

An sich eigentlich kein Problem. Ich hĂ€tte mich mit an den Tisch gesetzt, etwas getrunken und wir hĂ€tten erzĂ€hlt und gelacht. Auch hatte ich mit der Zeit schon Übung darin, zu solchen AnlĂ€ssen im Restaurant bei der Essensbestellung auszusetzen. Das fĂŒhrte im Laufe der Jahre zu der einen oder anderen interessanten Geschichte, aber davon werde ich euch vielleicht ein anderes Mal berichten ? Heute soll es nĂ€mlich um meine RĂŒckkehr in die Welt der Oralverkoster gehen. Denn ich stand nun dummerweise ohne Sondennahrung, dafĂŒr aber mit einem gehörigen Hunger da. Was also tun?

Der Magen knurrte

Da auch sĂ€mtliches Zubehör, wie Überleiter und Spritzen fehlten, war es ebenfalls keine Option, irgendetwas aus der KĂŒche des Restaurants ĂŒber die Sonde zu geben. NatĂŒrlich gibt es, je nach Krankengeschichte, auch Ausnahmen. Aber grundsĂ€tzlich bedeutet eine PEG ja nicht automatisch, dass man gar nichts mehr essen kann. Zumal ich mir die komplette Oral-DiĂ€t ohnehin selbst auferlegt hatte. Weil mein Magen wirklich knurrte, beschloss ich also, mit meinem Vorsatz zu brechen. Ich rief mir daher die spezielle Schlucktechnik, die mir meine LogopĂ€din beigebracht hatte, ins GedĂ€chtnis und bestellte eine Suppe.

RinderbrĂŒhe oder Tomatensuppe

Die Auswahl in diesem Restaurant war allerdings ĂŒberschaubar. Wie ich in den nĂ€chsten Jahren lernen sollte, bei weitem keine Ausnahme. Aber dazu gleich mehr. Ich hatte also die Wahl zwischen RinderbrĂŒhe oder Tomatensuppe nach Toskana-Art. Aufgrund der Tatsache, dass BrĂŒhe eigentlich nur heißes Wasser mit Geschmack ist, fiel mir die Entscheidung angesichts des knurrenden Magens leicht. So beging ich meine RĂŒckkehr zu den Oralverkostern also nicht gerade mit einem Festmahl. Aber nach all den Jahren schmeckte auch eine Tomatensuppe ganz gut.

Meine Suppenphase

Angesichts des Umstandes, dass ich dank der Konzentration beim Essen, gepaart mit der speziellen Technik beim Schlucken, nicht aspirierte, stellte sich mir also die Frage, ob Suppe hin und wieder nicht eine Option wĂ€re. Zumal ich dadurch bei meinen Terminen flexibler war. Wenn also mal keine Sondennahrung dabei war, musste ich trotzdem nicht verhungern. Ich war in dieser Phase meines Lebens, meiner Suppenphase, geschĂ€ftlich viel unterwegs. Ging es dann also mal irgendwo zum Essen, erkundete ich die Suppensektion der Speisekarten. Das war nicht nur praktisch, sondern schmeckte ja außerdem auch noch ganz gut.

Tomatensuppen-Sommelier

Wenngleich ich sehr schnell feststellen musste, dass die Suppenauswahl in den meisten Restaurants ziemlich Ă€hnlich war. Neben RinderbrĂŒhe (die aus vorgenannten GrĂŒnden nur eine Option fĂŒr den Notfall war, um irgendetwas in den Bauch zu kriegen) stand sehr hĂ€ufig noch Spargelcremesuppe auf der Karte. Leider war ich nie ein großer Spargelfan gewesen. So gab es dann in aller Regel den Klassiker: Tomatensuppe. Mit der Zeit hĂ€tte ich wohl zum Tomatensuppen-Sommelier umschulen können. Denn ich kannte sie alle. Die guten und die schlechten 
 Ihr könnt mir glauben, Letztere gab es leider einige. Die beste Tomatensuppe hatte ich mal in einem Urlaub in Österreich. In einem kleinen, familiengefĂŒhrten Restaurant auf dem RĂŒckweg vom Skigebiet ins Hotel.

Von Suppen zu Saucen

Nichtsdestotrotz war ich der Tomatensuppe irgendwann ĂŒberdrĂŒssig. So begann ich dann bei Restaurantbesuchen, auch die ĂŒbrige Karte durchzuschauen und bestellte mir statt ganzer Gerichte einfach nur die Saucen davon. Das fĂŒhrte zwar ebenfalls zu unterschiedlichsten Reaktionen seitens des Servicepersonals (und teilweise sogar aus der KĂŒche). Aber es war auf jeden Fall mehr Abwechslung fĂŒr mich. Meine Suppenphase wurde also zur Suppen- und Saucenphase. Zu dieser Zeit ahnte ich noch nicht, dass dies der Beginn einer neuen Reise im Leben mit PEG war. Aber davon mehr in einem der nĂ€chsten BeitrĂ€ge.

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