Ein Leben nach der PEG

ehemaliges Stoma einer PEG (mit Logo von ÔÇ×Leben mit PEGÔÇť)

Wenn ich einen Spannungsbogen oder den klassischen Aufbau einer Geschichte ├╝ber meinen Blog hier legen w├╝rde, w├Ąre das heutige Thema noch lange nicht dran. Aber ich bekomme ja von meinen Leser*innen und den Followern in den sozialen Netzwerken auch immer wieder R├╝ckmeldungen und Fragen gestellt. Das heutige Thema spielt dabei h├Ąufiger eine Rolle. Deshalb m├Âchte ich es heute unbedingt aufgreifen: Muss eine PEG f├╝r immer bleiben oder gibt es auch ein Leben nach der PEG?

Es kommt darauf an

Wie so oft im medizinischen Bereich, kommt es auf den Einzelfall an. Es gibt F├Ąlle, so wie bei mir, da wird die Versorgung ├╝ber eine PEG das ganze Leben lang notwendig sein. Denn aufgrund meiner Muskelschw├Ąche, werde ich niemals mehr in der Lage sein, ausreichend Nahrung und Fl├╝ssigkeit oral zu mir zu nehmen. Das ist aber auch gar nicht weiter tragisch. Zum einen, weil ich in der gl├╝cklichen Lage bin, dass ich immer mal wieder (unter den richtigen Umst├Ąnden) etwas Oralkost zu mir nehmen kann. Somit bleibt der Genuss nie auf der Strecke. (Auch f├╝r diejenigen, die das nicht k├Ânnen, gibt es M├Âglichkeiten des Genie├čens. Dazu aber an anderer Stelle mehr.) Zum anderen, weil ich eben wei├č, was die PEG ist. Ein unglaublich wichtiges Hilfsmittel. Ohne meine Magensonde, w├╝rde mein K├Ârper nicht ausreichend versorgt werden k├Ânnen. Dann k├Ânnte ich mein tolles (zugegeben auch etwas au├čergew├Âhnliches) Leben nicht (mehr) f├╝hren.

K├╝nstliche Ern├Ąhrung nur zeitweise

Allerdings gibt es auch Krankheitsbilder, bei denen eine k├╝nstliche Ern├Ąhrung nur zeitweise notwendig ist. Beispielsweise bis ein Tumor erfolgreich behandelt wurde. Oder der K├Ârper wieder so weit zu Kr├Ąften gekommen ist, dass eine ausreichende orale Ern├Ąhrung wieder m├Âglich wird. Dann kann eine Magensonde auch ohne Probleme wieder entfernt werden. Das Stoma, also die Einstichstelle, durch die der Schlauch der Sonde in den Magen gef├╝hrt wird, verheilt anschlie├čend wieder ziemlich schnell. Es bleibt lediglich eine kleine Narbe zur├╝ck.

Secret Service

├ähnlich, wie ein Ohrloch, das wieder zu w├Ąchst, wenn lange Zeit keine Ohrringe getragen werden. Das sieht ein bisschen aus, wie ein zweiter Bauchnabel. Auch wenn das jetzt vielleicht verr├╝ckt klingt, so kann man mit diesen Narben sogar Spa├č haben. Alle Rollstuhlfahrer*innen kennen sicherlich die Situation, dass einem irgendwann fremde Menschen begegnen, die meinen, dass es eine legitime Frage ist, wissen zu wollen, weshalb ich denn im Rollstuhl sitze. Das passiert besonders gerne auf Partys, wenn die Leute sich etwas Mut angetrunken haben. Meine Lieblingsantwort ist dann immer: ÔÇ×Ich war beim Secret Service und habe f├╝r Obama zwei Kugeln abgefangen.ÔÇť Das wollen mir diese Personen dann aus irgendeinem Grund immer nicht so ganz glauben. Dann zeige ich ihnen eiskalt die Einschussl├Âcher. In Wahrheit nat├╝rlich nur meine beiden vorherigen, abgeheilten Einstichstellen der Magensonde nach dem Wechsel – ebenfalls ein anderes Thema ?.

Erst wieder ├╝ben

Aber Spa├č beiseite! Wer von einer Sondenern├Ąhrung wieder komplett auf Oralkost umsteigen m├Âchte, muss dies unbedingt mit den behandelnden ├ärztinnen und ├ärzten abstimmen. Bei einer PEG ist das ohnehin notwendig. Die kann n├Ąmlich nur im Krankenhaus entfernt werden. Ein Button ist theoretisch auch allein zu Hause entfernbar.

In der ├ťbergangsphase ist es au├čerdem ratsam, die Magensonde noch als Back-up zu behalten. Au├čerdem kann es sein, dass die orale Nahrungsaufnahme erst mal wieder ge├╝bt werden muss. Hierbei helfen unter anderem Logop├Ąd*innen. Auch gibt es Anbieter, die sich darauf spezialisiert haben.

Nicht unbedingt endg├╝ltig

Wenn die medizinischen Voraussetzungen stimmen und es langsam angegangen wird, kann es also durchaus auch ein Leben nach der PEG geben. Ein Grund mehr, sich bei Bedarf f├╝r ein Leben mit PEG zu entscheiden. Denn das ist nicht unbedingt endg├╝ltig. Und falls doch, l├Ąsst es sich – wie ihr hoffentlich an diesem Blog seht – trotzdem auch sehr gut damit leben ?

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